Präsentation Hanno Stück “Sueño y Sonrisa”  
Atelier & Kunstraum  BILDFLÄCHE, Braunschweig, Pestalozzistraße 17

Hauptsächlich auf Malerei ausgerichtet arbeite ich mit Bildinstallation, Collage, Montage oder Fotoarbeit; ich nutze somit eine Palette von Medien für meine Ideen und finde in der Sprache Widerhall und Nachklang, wobei mir bezüglich der Titel meiner Werke oft auch spanische Wendungen einfallen und näher gehen als etwa angloamerikanische.

Einer meiner früheren Ausstellungen gab ich den Titel "Pirschen und Träumen". Aufspüren und Verdichten von Vorstellungen in einem sehr subjektiven Sinne. 
Kompositionen, für die ich z.B. aus der Baumkrone gepflückte ASTRUTEN verwendete oder in die ich Holzstücke bzw. Folienmaterial etc. einbaue, lassen bisweilen an ein Spiel mit Maskierungen denken. 
Wo sich meine Bildkontexte zu figurbezogenen Fragestellungen verdichten, verweisen die Charaktere nicht auf bestimmte historische Kontexte; ich begreife sie vor allem assoziativ und chiffrenartig. 
Konzeptuelle Überlegungen, die für mich so etwas wie gedankliche Schnittstellen zur Malerei sind, haben in meiner Arbeit ein deutliches Gewicht bekommen. An äußeren Vorbildern orientierte ich mich eher selten . Meine Bilder erscheinen mir wie ein “innerer summender Kreis”, der sich immerzu und neu sinnhaft zusammenfügt.
Die Kehrseite meiner Arbeit als Künstler, meine Tätigkeit als Psychologe, bindet mich an rationale Analyse und das Medium der Sprache. 
Der seidene Faden jedoch, an dem Aura und Wert eines Kunstwerkes hängen, bleibt bei aller Vielschichtigkeit der Malerei auch für mich ganz dem Sehen verbunden und “wie es gemeint war”, ist am Ende völlig egal - jenseits des Paradieses der Kunst.

Bildinstallation “Phantom”, 2018 (Resopal, Bleistift, Papier, Pappe, Fell, PE)


Chronologisch datierte Einträge: Über Kunst und bildkünstlerische Arbeit von Hanno Stück   ( Vita / → Ausstellungen)


5. Juni 2018, 21:29 
Guten Tag verehrte Besucher. Ich freue mich über diese Atelierbegegnung anderer Art und  dass ich mich Ihnen hier vorstellen kann. Ich bin Hanno Stück, Künstler in Braunschweig seit 1986, davor 30 Jahre im Rheinland, in Bonn, beheimatet.

Ihnen erklären, vor welche Ausgangslage ich mich als aktuell Bildschaffender gestellt sehe, das möchte ich hier sehr gern versuchen. 
Zuächst frage ich mich oder habe mich zu fragen, in was für einer Zeit der Kunst befinde ich mich eigentlich?  
Da geht es nicht nur darum, was in den Kunstgeschichtsbüchern steht, sondern auch noch um das eigene Gefühl zur Kunst.  
Zunächst aber: Was als "die Moderne" abgehandelt wird, hat mittlerweile die Bei-Bezeichnung "klassische" erhalten. Wir sind nicht mehr in der Moderne, wir sind weit jenseits dessen, was nach 1945 als modern bezeichnet wurde. Postmoderne sagt man wohl eher, und manche sagen sogar auch, die sei schon “Schnee von gestern”.
üEs fällt ganz und gar nicht leicht zu sagen, ob Kunst entsteht, wenn man Kunst macht; Zweifel diesbezüglich sind wohl eine Begleiterscheinung, um nicht zu sagen “eine der Befindlichkeiten”, die Kunstschaffen zu begleiten scheint. 
Dem stark angewachsenen Kreis derer, die sich zur Kunst berufen sehen, steht ein immer kleinerer und "eingeweihterer" Kreis Berufener gegenüber. Kuratoren, Juroren und Kritiker handeln aus, was Kunst ist. 
Ein wenig scheint es wie an der Börse zuzugehen, wo Informationen, die dem uneingeweihten Anleger zur Verfügung stehen, immer nur erklären, was vorgestern war, nie aber das, was sich soeben ereignet oder sogar als nächstes ereignen wird.  

Kunstschaffend will ich daher den Zweifel, dem ich nicht entkomme, darstellen und in der Kunst leben , ihn zu einem Teil  von ihr machen.

innerhalb der Kunst und speziell als Malender kann ich mich an keiner Gewißheit festhalten. Jahrhunderte als hohe, ja mitunter als höchste Disziplin der Kunst betrachtet, erfuhr die Malerei vielfältigste Herausforderungen durch andere Kunstformen. Die Fotografie und andere mittlerweile über deren klassische Form hinaus fortgeschrittene multimediale und digitale Werke, Installationen und darstellende Kunstformen u.v.m. liefen ihr den Rang ab und lassen sie zumindest in ihren tendenziell mittelmäßigen Erscheinungsformen  weniger markant und bisweilen eher kleinkariert als großartig erscheinen. 
 
Ich halte aber dennoch daran fest, mich als Maler zu begreifen. Was ich hierbei als inneren Auftrag in der Kunst wahrnehme, bedarf aber einer Reflexion. Es geht um die Aufforderung  zu reflektieren, woran ich mich orientieren will, und wie auf den mutmaßlichen Mainstream aktueller Kunst aus einer teils auch abseitigen Perspektive zu schauen wäre.

Ich hoffe die Argumentation macht verständlich, wie ich als aktuell Bildschaffender und Maler denke und mich in einem eigens zu entwickelnden Vorgang der Bildfindung zu verorten suche auch auf die Gefahr hin, dass bei der Erschaffung von Werken leider bisweilen auch manches als "zu klein gedacht“ und bald schon „überholt“ erscheinen mag.
Gewiss verständlich macht es wohl, dass und warum ich mich keiner allzufest vorgegebenen Bildform verschreibe, mir eine möglichst offene Medienpalette zu nutze mache und Bildschaffen als einen Prozess der Montage und Demontage begreife. Den Wunsch, "innere wie auch äußere Bilder" auszuloten und ihnen eine Form zu geben, beeinflusst dies indes wenig.

Und Noch eine letzte Frage möchte ich aufgreifen: wie vertragen sich Zweifel mit Ästhetik? Könnten nicht Betrachter vielleicht denken: Och Zweifel habe ich ja selbst genug, da brauche ich nicht noch Kunst dazu. Wer sucht schon, was er selbst im Übermaß zu haben meint. 
Ja es braucht vielleicht in erster Linie Begeisterung und Faszination für die Vielfalt, Vielschichtigkeit und Tiefe der Malerei und der Kunst und für all das was in ihr gesagt werden kann. ergriffen bin ich davon und meine Arbeiten, so Sie mir gelingen , bekunden das - hoffentlich.

23. Mai 2018, 11:15 Ich erinnere mich, mir schon einmal weit voraus gewesen zu sein. Die Fundierung der Kunst im Ritual, im „interesslos Schönen“ aber auch im „Ärgernis“ erscheint mir weiter bedeutsam, bedeutsamer jedenfalls, als in ihr schlicht eine Ware zu sehen.

16. Mai 2018, 09:08 die Frage nach Sinnzusammenhängen beschäftigt mich als Künstler, aber auch als Psychologe. Als Künstler bediene ich mich dabei der Visualisierung von Ideen. Die Medien aber, derer ich mich bediene, und insbesondere das mir „heiligste“ Medium, die Malerei, führen zu Fragen der Ästhetik, wodurch eine vollkommen eigenständige Sinnebene ins Spiel kommt.

3. Mai 2018 „An die Geschichte glauben heißt, das mögliche zu begehren, heißt, die qualitative Überlegenheit des Bevorstehenden über das Unmittelbare zu postulieren, heißt: sich einzubilden, die WerdeWelt sei aus sich selbst reich genug, um die Ewigkeit überflüssig zu machen. Hört man auf daran zu glauben, gibt es kein Ereignis mehr, dem auch nur die geringste Tragweite erhalten bliebe. Dann interessiert man sich nur noch für die äussersten Grenzen der Zeit, d.h. weniger für ihre Anfänge als für ihre Beendigung, für ihre letzte Summe, für das, was nach ihr kommt, wenn der Ruhmdurst, der alle andere Begierde nach sich zieht, versiegt ist und der Mensch, frei von dem Antrieb, der ihn voran stieß, endlich sein Abenteuer hinter sich und eine Ära ohne Wunsch vor sich aufgetan sieht.“ (Aus Cioran „der Absturz in die Zeit“ Seite 87)