Gesellschaftliche Teilhabe
Projektziele für die erste Herbsttagung des Armutsnetzwerks Steiermark
am 29. Oktober 2019 von 13:00 bis 18:00 h laut Programm:
 
  • Strukturveränderung des Sozialstaats thematisieren
  • Formulierung von 
  • a) Herausforderungen sowie 
  • b) zentraler Empfehlungen zu den einzelnen Werkstattthemen
  • Vernetzung von Expert*innen, NGOs, Armutsbetroffenen, Politiker*innen, Medienvertreter*innen sowie am Thema Interessierten Personen

Methoden:
  • Impulsvorträge
  • Moderierte sowie dokumentierte Werkstattgespräche in Kleingruppen
  • Plenum
 

Arbeitsunterlage zum Ausdrucken: 

Workshop: Gesellschaftliche Teilhabe


Begrüßung, Vorstellung, zeitlich-inhaltlicher Rahmen, wir dokumentieren (abwechselnd), alle anderen sind dazu ebenfalls herzlich eingeladen

Impuls-Vorschläge: Auszug aus Partizipation für alle? (von Esther Brossmann), S 23f. Dieser Inhalt erscheint mir allerdings zu “akademisch”.


Noch besser:


Die folgenden Auszüge aus Die Verharmlosung der Armut” von Christoph Butterwegge:

  • Erfolge im Kampf gegen die relative Armut sind viel schwerer zu erringen als im Kampf gegen die absolute Armut, weil die Einkommensverteilung so beeinflusst werden muss, dass niemand zu weit nach unten vom Mittelwert abweicht. Denn im Unterschied zur absoluten Armut, der man auf karitativem Wege, das heißt mit Lebensmitteltafeln, Kleiderkammern und Möbellagern begegnen kann, erfordert die Bekämpfung der relativen Armut, dass man den Reichtum antastet.
  • Hier dürfte auch einer der Gründe dafür liegen, warum die Existenz relativer Armut gerade von Personen in Abrede gestellt wird, die zu den Privilegierten, zu den Besserverdienenden und zu den Vermögenden gehören.


… und aus einem Gastkommentar von Ulrike Herrmann:
  • Die deutsche Mittelschicht stellt die meisten Wähler, verliert aber immer mehr politischen Einfluss. Schuld ist das Bürgertum selbst: Es grenzt sich von den Armen ab, wähnt sich an der Seite der Vermögenden - und stärkt damit genau jene, die sich auf seine Kosten bereichern.
  • Im Kampf um die eigene Karriere entgeht der Mittelschicht, wie unerreichbar die Eliten sind, die ihren Status nicht etwa durch Leistung erwerben, sondern von Generation zu Generation vererben: Die obersten zehn Prozent besitzen bereits 61 Prozent des gesamten Volksvermögens und kassieren 36 Prozent aller Einkünfte. Die Mittelschicht überschätzt ihren Status aber auch, weil sie viel Kraft und Aufmerksamkeit darauf verwendet, sich vehement von der Unterschicht abzugrenzen. Nur zu gern pflegt die Mittelschicht das Vorurteil, dass die Armen Schmarotzer seien. So meinen immerhin 57 Prozent der Bundesbürger, dass sich Langzeitarbeitslose "ein schönes Leben auf Kosten der Gesellschaft machen". Aus dieser Verachtung für die Unterschicht entsteht eine fatale Allianz: Die Mittelschicht wähnt sich an der Seite der Elite, weil sie meint, dass man gemeinsam von perfiden Armen ausgebeutet werde. Die Mittelschicht wird so lange für die Reichen zahlen, wie sie sich selbst zu den Reichen zählt.

… weisen auf Widerstände in der Gesellschaft hin, die weniger auf dem Weg zu einem investiven Sozialstaat zu überwinden sind, als vielmehr im Zuge einer absichernden Sozialpolitik, denn:


Zur angedachten “Strukturveränderung des Sozialstaates” und den politischen Kräften, die dahinter wirken, schreibt Lea Elsässer in “Ungleiche politische Repräsentation und sozialstaatlicher Wandel” (S 553):

“Insgesamt bestätigen diese Ergebnisse das Argument, dass der Umbau zu einem weniger absichernden und stärker beschäftigungsfördernden Sozialstaat von der Unterstützung mittlerer und oberer sozialer Klassen getragen wird. Der Ausbau sozialinvestiver Leistungen wurde dabei aber sowohl von unteren als auch von oberen sozialen Klassen stark befürwortet, wohingegen die maßgebliche Konfliktlinie in Bezug auf die Kürzungen in der absichernden Sozialpolitik verlief. Dass Ausweitungen ausschließlich dann stattfanden, wenn die jeweilige Maßnahme auch von oberen Berufsgruppen befürwortet wurde, zeigt, dass untere Berufsgruppen höchstens ‘coincidental representation’ (Enns 2015), aber keine substantielle politische Repräsentation erfahren. Dies gilt im gesamten Untersuchungszeitraum – und damit auch für Regierungskoalitionen unterschiedlichster Couleur. Dieser Befund kann aus demokratietheoretischer Perspektive auch nicht damit gerechtfertigt werden, dass die Gruppe der Arbeiter/-innen zahlenmäßig kleiner geworden ist, da im gleichen Zeitraum der Anteil der Angestellten im unteren Dienstleistungssektor stetig größer geworden ist – und diese gleichermaßen von der Schieflage politischer Repräsentation betroffen sind.”